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Tierhalterhaftung nach Unfall bei therapeutischem Reiten

Nach § 833 S. 1 BGB haftet ein Tierhalter, wenn sein Tier einem Dritten einen Schaden zufügt. Ist der Schaden durch ein Haustier verursacht worden, welches dem Beruf oder der Erwerbstätigkeit dient, sieht das Gesetz in § 833 S. 2 BGB die Möglichkeit eines Entlastungsbeweises vor, wenn der Tierhalter bei der Beaufsichtigung des Tieres die im Verkehr erforderliche Sorgfalt beachtet hat.

Über den Umfang der Möglichkeit eines solchen Entlastungsbeweises im Rahmen der Tierhalterhaftung bei der Erteilung von therapeutischem Reitunterricht hatte jüngst das OLG Hamm (Urt. v. 22.9.2009 - Az. 9 U 11/09) zu entscheiden. Im zugrundeliegenden Fall war die Klägerin, die eine Gehbehinderung aufwies, während einer therapeutischen Reitstunde auf einem Pferd des beklagten Reitvereins geritten. Von diesem Pferd war die Klägerin gestürzt, weil das Pferd des vor ihr reitenden Reitlehrers durch ein unberechenbares Verhalten das Reitpferd der Klägerin zum abrupten Stehenbleiben veranlaßte. Hierdurch verlor die Klägerin den Halt, stürzte und zog sich eine Wirbelsäulenverletzung zu.

Das Gericht führte aus, daß im vorliegenden Fall dem beklagten Reitlehrer die Entlastungsmöglichkeit des § 833 S. 2 nicht offenstünde. Ein Reitlehrer könne sich als Tierhalter nur dann entlasten, wenn er solchen Unterricht berufsmäßig erteilt. Dazu reiche eine nur gelegentliche Tätigkeit, die wie im vorliegenden Fall nur hobbymäßig neben einem sonst ausgeübten Hauptberuf ausgeübt werde, nicht aus. Auch dem beklagten Reitverein, der satzungsgemäß therapeutisches Reiten anbietet, sei die Entlastung nicht möglich, wenn die Pferdehaltung nicht der Erzielung von wirtschaftlichem Gewinn dient. Das sei bei einem Idealverein regelmäßig nicht der Fall.

Schließlich stellte das Gericht fest, daß der Schadensersatzanspruch der Klägerin auch nicht durch ein Mitverschulden gemäß § 254 BGB gemindert sei. Daß sich die Klägerin trotz ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung im Gebrauch beider Beine dem Risiko des Reitunterrichts ausgesetzt habe, sei ihr nicht als eigener Verursachungsbeitrag anzulasten – schließlich habe der Reitlehrer den therapeutischen Reitunterricht in voller Kenntnis ihrer Behinderung übernommen.

Das Gericht bestätigte im Ergebnis die erstinstanzliche Verurteilung zu einem Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 €.

25.01.2010


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