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Behandlungsfehler bei Gallenblasenoperation

Ob ein bestimmtes Geschehen einen ärztlichen Behandlungsfehler darstellt, wird im Zivilprozeß von den Gerichten unter Einholung von Sachverständigengutachten entschieden. Mit dem Fall einer Gallenblasenoperation hatte sich jüngst das Oberlandesgericht (OLG) Hamm zu befassen (Urteil vom 28.11.2008, Az.: 26 U 28/08).

Die dortige Klägerin verlangte Schmerzensgeld und Schadensersatz wegen eines vermeintlichen Behandlungsfehlers bei einer Gallenblasenoperation. Sie war in eine Klinik stationär aufgenommen worden. Die Gallenblase sollte laparoskopisch entfernt werden. Während der minimal invasiv durchgeführte Operation wurden versehentlich der Hauptgallengang sowie die Anschlüsse beider Leberlappen mit entfernt. Subjektiv war die Operateurin sicher, den Ductus cysticus und nicht Ductus choledochus zu durchtrennen. Die Komplikation wurde drei Tage später festgestellt und revidiert.

Verfahrensgegenständlich war nun die Frage, ob die Operation behandlungsfehlerhaft durchgeführt worden war. Das Landgericht hatte diese Frage verneint und war davon ausgegangen, daß ein Behandlungsfehler nicht vorlag. Eine versehentliche Durchtrennung des Hauptgallenganges sei - so auch der Sachverständige im Verfahren - „eine seltene, aber nicht zu vermeidende Komplikation“.

Die Klägerin verfolgte ihr Begehren mit der Berufung weiter. Die Berufung hatte jedoch vor dem OLG keinen Erfolg.

Auch das OLG ist davon ausgegangen, daß den operierenden Ärzten keine Behandlungsfehler bei der Operation der Klägerin unterlaufen sind. Weder die Durchtrennung des Hauptgallenganges noch - wenn dies erfolgt wäre, was streitig blieb - die Resektion des Hauptgallenganges würde einen Behandlungsfehler begründen. Dies stelle nämlich ein operationsimmanentes Risiko dar.

Auch die Wahl der laparoskopischen Operation als solche wie auch deren Durchführung erfolgte vielmehr kunstgerecht.

Eine früher von der Wissenschaft geforderte Freipräparation des Gallenblasenganges bis zur Einmündung werde heute - so der Sachverständige - nicht mehr durchgängig gefordert, so daß auch aus dem Unterbleiben keine negativen Schlüsse gezogen werden könnten.

Zudem kamen der Klägerin keine Beweiserleichterungen zugute, weil die Dokumentation der Operateurin ordnungsgemäß war.

Zuletzt war nach Ansicht des Gerichts auch die Tatsache, daß ein bei der Operation angefertigtes Videoband zwischenzeitlich überspielt worden war, für die Entscheidung des Verfahrens nicht erheblich, weil keine Verpflichtung existiere, Operationen auf Videobändern mitzuschneiden. Gleichzeitig bestehe keine Pflicht, Beweise für etwaige nachfolgende forensische Verfahren zu sichern.

Gerade die letztgenannten Ausführungen zum Umfang einer Dokumentation sowie der dieser zugrundeliegenden Verpflichtung aus dem medizinischen und nicht aus dem forensischen Bereich gewinnen auch Bedeutung über das vorliegende Verfahren hinaus. Schon aus eigenem Interesse tut ein Arzt gut daran, sich des Umfanges seiner Dokumentation zu versichern. Anlaß dafür, hierbei gerade für etwaige Auseinandersetzungen in Haftungsprozessen vorzusorgen, bestehen jedoch nicht.

30.01.2009


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