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Undeutliche Sprache des aufklärenden Arztes kann Bedenken an einer ordnungsgemäßen Aufklärung des Patienten begründen

Eine wirksame Aufklärung des Patienten vor einem Eingriff setzt es u.a. voraus, daß ihm die Risiken und möglichen Alternativen einer Behandlung mitgeteilt werden. Er soll durch die Aufklärung in die Lage versetzt werden, eine eigenverantwortliche Entscheidung über die Durchführung eines Eingriffs treffen zu können. Es soll dabei weder medizinisches Spezialwissen vermittelt, noch ein Eingriff vereinfacht oder verharmlost werden. Vielmehr soll dem Patienten eine Information über die Art und die Richtung der Beeinträchtigung der späteren Lebensführung vermittelt werden. Ein undeutlicher Sprachstil ist dabei geeignet, erhebliche Zweifel an einer verständlichen Aufklärung zu begründen.

Das Landgericht Köln (LG Köln) hat mit Urteil vom 09.04.2008 (Az.: 25 O 72/05) entschieden, daß der undeutliche Sprachstil eines aufklärenden Arztes Bedenken gegen eine verständliche Aufklärung hervorrufen kann.

Dem Urteil lag folgender Sachverhalt zugrunde:
Die Klägerin unterzog sich im Jahre 2000 einer gynäkologischen Operation, in deren Folge auch Lymphknoten entfernt wurden. Im Anschluß an diese Operation erfolgte der erste Zyklus der Chemotherapie. Danach kam es zu einer erneuten Vorstellung der Klägerin, während der eine weitere Chemotherapie und eine Komplettierungsoperation hinsichtlich der restlichen Lymphknoten besprochen wurde.

Ob und mit welchem Inhalt bei diesem Gespräch eine Aufklärung über den medizinischen Hintergrund, Behandlungsalternativen und die mit dem neuen Eingriff (Komplettierungsoperation) möglicherweise verbundenen Risiken erfolgte, war zwischen den Parteien streitig. Eine schriftliche, von der Klägerin unterzeichnete Aufklärungsdokumentation lag nicht vor.

Während und nach der Operation stellten sich erhebliche Komplikationen ein. Für diese operationsbedingten Komplikationen machte die Klägerin nun Schmerzensgeld und Schadensersatz geltend.

Das LG Köln hielt die Klage für begründet. Zwar teilte es nicht die Auffassung der Klägerin, daß erhebliche Behandlungsfehler während der Komplettierungsoperation passiert seien. Sie gab der Klägerin aber insofern Recht, als daß keine ordnungsgemäße Aufklärung vor dieser Operation stattgefunden habe.

Nach Ansicht der Richter konnten die Beklagten nicht darlegen, die Klägerin sei vor der Operation ausreichend aufgeklärt worden. Dies folge zum einen aus dem Umstand, daß das Aufklärungsgebspräch prästationär stattgefunden habe und die Risiken noch nicht mit der notwendigen Deutlichkeit angesprochen worden seien. Zum anderen ergäben sich aber auch Bedenken hinsichtlich einer für die Klägerin verständlichen Aufklärung durch den beklagten Arzt, da dieser - nach dem in der Anhörung gewonnenen Eindruck - sehr schnell und undeutlich, gleichsam staccato, spreche. Der Beklagte sei kaum zu verstehen gewesen und der Sprechstil habe sich auch unter dem Hinweis auf die Notwendigkeit einer Protokollierung während der Anhörung nicht gebessert, so daß erhebliche Zweifel daran bestünden, ob die Klägerin den prästationären Erläuterungen des Beklagten überhaupt habe folgen können. Da die Beklagten zudem nicht geltend gemacht hätten, daß die Klägerin dem Eingriff auch bei einer zutreffenden Risikoaufklärung zugestimmt hätte (mutmaßliche Einwilligung), war die Klage umfassend begründet.

Es handelt sich um eine Entscheidung, die neben den zahlreichen Entscheidungen über Inhalt und Ausmaß einer Aufklärung eine Aussage zu Art und Weise der Aufklärung trifft. Hier tritt die Frage nach der Verständlichkeit der Aufklärung für den Patienten aufgrund der besonderen Situation und dem eigentümlichen Sprachstil des Aufklärers in einer seltenen Deutlichkeit hervor. Auch ansonsten muß jedoch der aufklärende Arzt darauf achten, daß seine Ausführungen für den Patienten verständlich sind und nicht ungehört verhallen.

23.05.2008


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