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Haftung für defekte Kühltruhe

Vor kurzem hatte sich das Landgericht (LG) Koblenz mit einem Fall zu beschäftigen, bei dem ein Teil einer Schädeldecke in einer Kühltruhe des beklagten Krankenhauses gelagert worden war, um ihn nachher wieder einzusetzen (Urteil vom 22.08.2007, Az.: 10 O 50/05).

Als die Kühlung ausfiel und deswegen die Temperatur stieg, wurde das Knochenstück beschädigt, so daß sich die Ärzte dazu entschlossen, es nicht wieder dem Patienten einzusetzen, sondern auf eine künstliche Schädeldecke zurückzugreifen.

Der Patient verklagte anschließend das Krankenhaus auf Schmerzensgeld. Dieses Begehren sah das LG teilweise als berechtigt an, weil das Krankenhaus nicht ausreichend konkret dargelegt hätte, „wann und durch wen die Kontrollen [der Kühltruhe] stattgefunden haben sollen und ob eine Überwachung der regelmäßigen Kontrollen stattgefunden hat“. Gleichzeitig fehle jeglicher Vortrag dazu, daß durch ein elektronisches Kontrollgerät diesem Funktionsausfall der Kühltruhe hätte vorgebeugt werden können.

Das Gericht sah also dem Grunde nach eine Haftung als gegeben an und bezog dies auf die Festsetzung von Schmerzensgeld für die nachteiligen Folgen der körperlichen und seelischen Beeinträchtigung des Klägers. Hierbei war aber zu berücksichtigen, daß viele Folgen - nach Aussage eines Sachverständigen im Prozeß - auch auf das ursprünglich stattgehabte schwere Schädelhirntrauma zurückzuführen gewesen sein konnten, so daß der Nachweis einer Ursächlichkeit gerade mit der fehlerhaften Einlagerung der Schädeldecke und dem sich hieraus ergebenden Erfordernis der Implantation einer Palacosplastik nicht geführt werden konnte. Das Gericht sah daher als nachteilige Folge (nur) das Unbehagen und eine verständliche emotionale Empfindungsstörung des Klägers „aufgrund der Tatsache, dass er nunmehr nicht mehr über den körpereigenen großen Knochendeckel, sondern über eine Ersatzplastik für den Rest seines Lebens verfügt“.

Weitere Schäden, wie etwa eine verminderte Widerstandsfähigkeit oder eine Wetterfühligkeit, wären jedoch nicht auf die Implantation des körperfremden Materials zurückzuführen, so daß – nach Auffassung des Gerichts – insoweit kein Schadenersatz zu leisten war.

24.10.2007


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