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Standard nach abdomineller Hysterektomie

Jüngst hatte sich das Landgericht (LG) Köln mit der Frage zu befassen, ob die Nichterkennung einer Harnblasenscheidenfistel nach Durchführung einer abdominellen Hysterektomie als Behandlungsfehler zu bewerten ist (Urteil vom 15.08.2007, Az. 25 O 177/04).

Bei der Klägerin war eine abdominelle Hysterektomie durchgeführt worden. Hierbei oder infolge der Operation kam es zu einer Verletzung der Harnblase, die intra- und postoperativ nicht bemerkt wurde. Trotz der Feststellung von Blut im Urin wurde die Patientin ohne weitere gynäkologische Untersuchung entlassen. Es stellte sich eine Harninkontinenz ein, die auf eine - später festgestellte - Blasenscheidenfistel zurückzuführen war, welche anschließend operativ zu behandeln war. Die Klägerin ist seitdem beschwerdefrei.

Das LG hatte sich nunmehr mit der Frage zu beschäftigen, ob die Krankenhausbehandlung lege artis erfolgt war. Hier wurde ein Verstoß gegen die Regeln der ärztlichen Kunst gesehen, weil nach der abdominellen Hysterektomie und vor der Entlassung keine weitere Untersuchung erfolgte, obwohl dies - mit obligater Spekulumeinstellung und einer abschließenden vaginalen und abdominellen Sonographie - „selbst bei einem klinisch und labormäßig völlig unauffälligen Verlauf zum Standard gehöre und die Entlassungen in den meisten gynäkologischen Abteilungen daher streng organisatorisch dem Oberarzt oder Chefarzt zur Untersuchung und abschließenden Beurteilung vorgestellt würden, was angesichts des Umfangs und der Risikobefangenheit des Eingriffs sehr gut nachzuvollziehen ist.“ Dies habe gerade bei der Klägerin gelten müssen, bei der Blutbeimischungen im Urin festgestellt worden waren.

Diese Unterlassung hatte der gerichtliche Sachverständige als „besonders gravierend“ eingestuft, was vom Gericht als grober Behandlungsfehler gewürdigt wurde.

Als Schaden war der Klägerin die Möglichkeit eines Versuchs des konservativen Fistelverschlusses entgangen. Bei der Bemessung der Höhe des Schmerzensgeldes hat das Gericht die körperliche und psychische Beeinträchtigung der Klägerin durch die bei ihr zeitweise bestehende Inkontinenz in Ansatz gebracht.

Mit den weiteren Anträgen unterlag jedoch die Klägerin. Das Gericht konnte weder einen anderweitigen Behandlungsfehler feststellen noch sah das Gericht die präoperative Aufklärung als unzureichend an - letzteres auch deshalb, weil die Klägerin als Angestellte einer gynäkologischen Praxis mit mehrjähriger Berufserfahrung auch nach eigener Anhörung „Bescheid“ gewußt hatte.

27.09.2007


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